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Mauerfall - Erlebtes Revue passiert

Im Jahr 1989 geschah (aus späterer Sicht) als logische Folge der "Mauerfall", der der Deutschen Demokratischen Republik, kurz DDR, letzten Endes das Genick brach. Man kennt die Bilder, auf denen jubelnde Menschen zu sehen sind, die auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor stehen und feiern. Dies war nur eine Seite.

Als Berliner aus dem Westteil der Stadt, dem von den Westmächten, USA, Großbritannien und Frankreich besetzten Teil, erlebte man bis dato ungeahntes und nur vom Hörensagen oder den Besuchen im Osten "bei den Verwandten drüben" (in der DDR) bekanntes.

Im Sommer 1989 passierte etwas, dessen Folgen für die DDR und damit für die Deutschen im Ganzen keiner richtig vorhersehen konnte. In diesem Sommer stürmten Tausende von Ostdeutschen die Botschaften der Bundesrepublik zunächst in Prag und Budapest, später auch in Warschau. Die Ungarn rissen ihren Eisernen Vorhang in Richtung Österreich ab und sorgten so für einen Dammbruch. Wie eine Flutwelle brachen die Trabbi-Kolonnen über Österreich herein und von dort in Richtung Westdeutschland.

Gleichzeitig demonstrierten Tausende jeden Montag in Leipzig. Argwöhnisch durch die sozialistische Staatsmacht beäugt und bei jeder Demonstration in Lebensgefahr schwebend. Die Panzer standen im Hintergrund bereit. Die Staatsmacht hielt -- im Gegensatz zum 17. Juni 1953 -- diesmal still. Vermutlich war dies auf die Sowjets unter Goratschow zurückzuführen. Wir im Westen sahen nur verwundert die Nachrichtenberichte.

In diesem Sommer waren wir zu Besuch bei Freunden der Familie im Ostteil Berlins. Auch hier drehte sich vieles um die Geschehnisse. Beim Verabschieden ließ mein Vater die Bemerkung dann fallen, dass wir uns alle dann zu Weihnachten bei uns im Westen sehen würden. Dies hat nur Schmunzeln verursacht. Das er Recht behalten sollte, ahnten wir alle nicht. Wir anderen gingen eher davon aus, dass die DDR die Krise schon meistern würde -- ggf. mit Gewalt.

Dennoch, nach den Meldungen in der westlichen Presse wurde die Lage im Osten immer bedrohlicher: Da wurde berichtet, dass z.B. an der Berliner Charité der Großteil des medizinischen Personals in den Westen getürmt sei -- wie der Ostdeutsche sagte: "rüber gemacht" habe -- oder ganze Betriebe ihr Produktion einstellen mussten, weil die Fachkräfte nicht mehr da waren. Nach den Meldungen war das Ende, zumal wenn die Machthabenden weiter so stur waren, die Leute nicht reisen zu lassen, immer absehbarer. Aber auch Berichte über Rückkehrer (in den Osten) konnte man aber auch vernehmen oder lesen.

Persönlich wurde ich am Schicksalstag der Deutschen dennoch von dem Mauerfall überascht. Am Morgen stand meine Mutter im Zimmer und weckte uns mit dem Satz: "Die Mauer ist gefallen!". Wir haben sie nicht nur schlaftrunken angesehen, sondern die Mitteilung nicht geglaubt. Der Rundfunk -- in unserem Falle wurde der RIAS Berlin gehört -- meldete es ununterbrochen. Freude und Euphorie bei mir? Ich kann mich nicht daran erinnern.

Der Tag an sich verlief zunächst wie immer. Morgens in die Schule. Keine besonderen Vorkommnisse. Mittags nach Hause. Ok, der Bus war etwas voller als sonst und hatte (das war in Berlin ohnehin üblich) Verspätung. Mittagessen zu Hause und wieder in die Schule zum Sport. Und diese Busfahrt wurde zur Tortur. Ich hatte zwar das Glück, dass ich eine Linie benutzte, die weder an Sehenswürdigkeiten vorbeführte, noch im Stadtzentrum verlief. Dennoch musste ich an einem Nahverkehrsknotenpunkt aussteigen und wäre dort fast nicht mehr aus dem Bus gekommen - die Menschenmassen mit ihrer fremden Sprache (ein Kauderwelsch aus Berlinerisch-Brandenburgisch und Sächsich) drängten dort in die Busse, ohne Rücksicht auf die Fahrgäste, die Aussteigen wollte und bezahlt hatten (Ein Ostdeutscher durfte im Westteil Berlins kostenlos den Nahverkehr nutzen!).

Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Der Nahverkehr am Rande der Überlastung, die Straßen verstopft mit den Trabis und Wartburgs. Eine Sparkasse oder Post bzw. Bank brauchte man nicht zu betreten um Geld zu holen, die Schalter waren zwar vollbesetzt, aber die Schlagen der Begrüßungsgeldabholer (und einige haben es mehrfach getan!) waren lang. Nur der EC-Automat konnte Geld liefern. Die Supermärkte waren leergekauft (erst die Discounter, dann die anderen). Man fühlte sich im Westen, wie im Osten: Lange Schlangen und nichts zu kaufen!

Mit der Zeit beruhigte sich die Lage. Es wurde immer häufiger im Osten skandiert "Wir sind ein Volk". Begeisterung im Westen für den Slogan hielt sich im Volk in Grenzen. Die Kohl-Regierung sprang auf den Zug und trieb im Folgenden die Einheit voran. Die politisch Clique in der DDR kapitulierte langsam aber sicher.

Ein komisches Tier entstand in der Zeit, der Mauerspecht, der sich ein Stück der Berliner Mauer abklopfte, als Souvenir. Sie wurde somit immer löchriger, im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwann kamen dann im Rahmen der Einheit die Machthabenden auf die Idee, ganze Mauerabschnitte regelrecht an an den Meistbietenden zu verhökern. Seit dem stehen in amerikanischen Vorgärten Mauerreste.

In Erinnerung blieb bei mir noch der Tag, an dem ich zum ersten Mal durch das Brandenburger Tor, welches Jahrzehnte lang im Todesstreifen stand, ging. Es war kurz vor Weihnachten, als die DDR einen neuen Grenzübergang an diesem Tor schuf. Es war das erste Mal, dass wir den Boden der DDR betraten, ohne dass wir einen Transitschein oder eine Einreisegenehmigung besassen. Auch waren die Grenzer nicht bis unter die Zähne bewaffnet und schauten nicht mehr so grimmig, wie noch vor einem haben Jahr. Und es war bestimmt das erste Mal, dass die Mauer vom Westen her gestürmt worden ist. Massen an Westberlinern und Touristen wollten durch das Tor! Vermutlich traute nicht einmal zu diesem Zeitpunkt jeder, dass die Mauer, im Übrigen war sie beim Brandenburger Tor mit einigen Metern Breite am Dicksten, bald nicht mehr stehen würde.

Zuletzt geändert am 22.04.2010


Wussten Sie schon?
Hermann Imanuel Pösche versuchte als Pädagoge des 19 Jhds. den Unterricht lebensnäher und zeitgemäßer zu gestalten und somit der modernen Anforderungen anzupassen.


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