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Theodor Pösche, der aufmüpfige Student und Auswanderer
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Theodor Pösche wurde am 23. September 1825 in Zöschen bei Merseburg als ältester Sohn von insgesamt 9 Kindern
von Johann Gottlob Pösche und Karoline Fredericke Luise Pösche geboren. Sein 2 Jahre jüngerer
Bruder Hermann Imanuel Pösche sollte als Anhänger des Pädagogen Fröbel und
späterer preußischer Erziehungsinspektor ebenfalls zu einem gewissen Grad an Bekanntheit gelangen.
Im Revolutionsjahr 1848 tauchte Theodor Pösche zum ersten Mal in der deutschen Geschichte auf. Er studierte
zu dem Zeitpunkt in Halle.
In diesem Jahr wurde die "Studentenverbindung Salingia zu Halle", welche später in der heutigen
Studentenverbindung Rhenania-Salingia aufging, gegründet. Theodor war eines der Gründungsmitglieder. Ihr Wahlspruch
war: Treu, Fest, Wahr; die Grundsätze ihres Handelns: Wissenschaft, Sittlichkeit, Ehrenhaftigkeit, Freundschaft
Im selben Jahr hielt er eine Rede auf der ersten stattfindenden Volksversammlung des Kreisausschusses in Halle,
welche in einem Tumult durch ein Fehlverhalten eines Unteroffiziers der gerufenen Militärpatrollie ausgelöst wurde.
Bei einer nachfolgenden Volksversammlung am 8. Oktober 1848 trat der Theodor erneut auf. Er verhöhnte hier mit
seinen Ausführungen den vorangegangenen Redner Prof. Burmeister, wobei Theodor das Thema "freiwillige Flottensammlung"
mit "beißender Ironie" behandelte und forderte, dass der Staat gefälligst die Schiffe bauen solle. Zudem verlangte
er, die Bewaffnung und Souveränität Polens, um mit deren Hilfe Russland zu besiegen. Weiter forderte er ein Bündnis
mit Dänemark und Frankreich sowie die Einheit der deutschen Nation, was mit der Forderung nach Auflösung der einzelnen
deutschen Staaten und ihre gesetzgebenden Organe gipfelte.
Aufgrund dieser Aussagen machte sich Theodor die preußische Staatsmacht nicht gerade zum Freund. Auch überwarf er
sich mit seinem Vater, welcher als Lehrer im Dienste des preußischen Staats stand.
Wohl infolge dessen wurde Theodor Pösche durch ein contumaciam zu 16 Jahren Festungshaft verurteilt. Dieser Haftstrafe
entzog er sich durch die Flucht in die Vereinigten Staaten. Er immigrierte 1850.
In den USA trat Theodor in Staatsdienste. Er stieg zum Director of Census Office und war u.a. mit der Immigration
deutscher Staatsbürger in die USA betraut. Er erlangte somit eine der höchsten amtlichen Stellungen, die je ein
Ausländer inne hatte.
Im Rahmen seiner Tätigkeiten verfasste er etliche anthropologische Werke, so zum Beispiel "Die Arier - Ein Beitrag
zur historischen Anthropologie" (1878), in denen er versuchte, die Herkunft der arischen Rasse zu erforschen. Hierbei gelangt er
anhand von umfangreichen Quellenmaterial, das von der antike bis zu den Biologen, Philologen und Ethmologen seiner Zeit erstreckt,
zu der Auffassung, dass die Arier aus dem Waldgürtel zwischen dem Njemen und Dnjepr entstammen.
Aber auch politische Literatur (z.B. "The New Rome" zusammen mit Charles Goepp, 1852) oder diverse Reise-/ geographische
Berichte wurden von ihm veröffentlicht.
In dem kurz nach seiner Ankunft in den USA veröffentlichte Werk "The New Rome. The United States of the World" ist
der Groll Theodors gegen die politisch Obrigkeit seiner Heimat deutlich zu erkennen. In diesem Buch forderte
Theodor Pösche, dass die USA zunächst die westliche Hemisphäre unter ihre Kontrolle bringen, also Kuba und
die Dominikanische Republik sich einverleiben, dann Kanada und Mexiko annektieren sollten. Weiter wurde jedoch die militärische
Intervention in Europa, um die dortigen feudalen Regime auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern, allen voran
Deutschland, als erforderlich angesehen. Die Autoren gingen davon aus, dass es in Deutschland ohne äußeren Impuls zu
keinem Umsturz der Verhältnisse kommen würde.
Des Weiteren forderten die beiden Autoren, dass im Russischen Reich, dem Hort der Reaktion, eine Revolution
stattfinden und der dortige Absolutismus abgeschafft werden müsse. Anschließend könne unter der Führung der USA der
Aufbau eines Weltstaates erfolgen.
1878 traf sich Theodor Pösche im Auftrag der US-Regierung Finanzministerium in England mit den Rothschilds,
um amerikanische Staatsschulden zu begleichen. Im Rahmen dieser Reise besuchte er erstmals nach seiner Flucht auch
wieder Deutschland
Ein Jahr später war er erneut in Deutschland. Diesmal wohnte er als Sachverständiger den Verhandlungen über ein
Tabakmonopol in der Reichstagskommission bei. Während dieses Deutschlandbesuchs war er zu dem 4 Wochen lang Gast
beim Reichskanzler, dem Fürsten Bismarck, in Kissingen.
Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle bleiben, dass seine beiden Töchter Ilda Pösche und
Rosa Pösche sich mit Europäern verheirateten. So ehelichte Ilda Arthur Sylvester Lord Kingsley,
was die Vermutung zu lässt, dass sie Ihren Vater auf seiner Englandreise begleitet hat, Rosa ehelichte einen
Karl Wendel, den sie wohl während des Deutschlandaufenthalts ihres Vaters 1879 kennen lernte, und verstarb später in Berlin.
Quellen:
Auszug eines mir unbekannten Buchs
Studentenverbindung Rhenania-Salingia
Das unverstandene Prinzip Amerika - oder: wie die Linke verlernte
Heide Thielbeer: Universität und Politik in der deutschen Revolution von 1848
Wolf Dobert Eitel: Deutsche Demokraten in Amerika, Vandenhoeck & Ruprecht, 1958, S. 167 ff
Heinz Gollwitzer: Vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Beginn des Imperialismus, Vandenhoeck & Ruprecht,Göttingen, 1972, S. 492 ff
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