|
Lebensstationen von Emil Behling
|
|
Wühle und man werde finden! So könnte der verfolgte Ansatz lauten, bei dem Versuch die Wohnorte von Emil Behling sowie seinen
Geburtsort ausfindig zu machen. Bis auf seinen letzten Wohnort wie dem Geburtsort seines ältesten Sohns, Heinz Behling, war kaum
was handgreifliches bekannt.
Schon vor einiger Zeit bin ich auf die Seiten der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
gestoßen. Hier gibt die Möglichkeit
verfilmte Adressbücher von 1799 - 1945
online einzusehen. Diese Möglichkeit war bekannt, hatte ich aber nicht weiter verfolgt.
Im Rahmen des Versuchs nun endlich mehr über Emil Behling herauszufinden, griff ich wieder auf die Datenbank zurück. Mit einigem
Erfolg. Auch entdeckte ich im Keller eine Kopie der Heiratsurkunde von Emil Behling. Anhand dieser Dokumente wurde hier der Versuch
gemacht, sein Leben etwas nachzuzeichnen.
Schon mit seinem Geburtsort beginnen die Probleme der Zuordnung. So schreibt die in den 30er und 40er Jahren regierende Parteiin das
Parteibuch den Ort Schindow. Diesen gibt und gab es aber nicht! Es ist wohl eher anzunehmen, dass es sich hierbei um das Schinchow in
Pommern am Stettiner Haff handelt.
Kopie des NSDAP-Parteiausweises von Emil Behling (Großansicht)
Auch aus der Heiratsurkunde, welche sämtlichst in Sütterlin, der damaligen deutschen Schreibschrift, abgefasst ist,
lässt sich der Geburtsort nicht eindeutig herauslesen. Es steht hier geschrieben:
der Vizefeldwebel Emil Karl Ferdinand Behling der Persönlichkeit nach Aufruf des Aufgebots anerkannt, evangelischer
Religion, geboren am fünfundzwanzigsten März des Jahres tausend achthundert achtzig zu [Anm.: vermutlich Schinchow], Kreis Cammin
[Anm.: oder Demmin], wohnhaft in Stettin, Sohn des Arbeiters Ferdinand Behling, versorben, zuletzt wohnhaft in Cartlow
[Anm.: auch Kartow oder Dartlow möglich], und seiner Ehefrau Auguste, geborene Wolfgramm, wohnhaft in Cartlow
[Anm.: auch Kartlow oder Dartlow möglich].
(zu kompletten Übersetzung)
Kopie der Vorderseite der Heiratsurkunde von Emil Behling und Auguste Wolfgramm (Großansicht)
Beide Dokumente helfen daher hinsichtlich des Geburtsortes nicht sonderlich weiter.
Jedoch war er Zeit seines Lebens viel in der Reichshhauptstadt. 1908 war er Soldat im Unteroffiziersrang (Vizefeldwebel) und heiratete
er die in Berlin ansässige, aus Glashütte in Pommern stammende, Köchin Auguste Pauline Walgunde Schröder. Auch konnte mit Hilfe einer
polnischen Datenbank in einem Adressbuch von Stettin aus
dem Jahre 1905 geforscht werden. In diesem ist Emil Behling nicht verzeichnet, so dass er wohl erst nach 1905 in Stettin lebte.
1913 wurde Emils Sohn Heinz Helmut Kurt Behling in Stettin geboren. Ein Jahr später kam sein Sohn Günter zur Welt. Über die Zeit gibt es leider
noch keine verfilmten Adressbücher in Polen. Jedoch ist aus einer noch nicht digitalisierten Urkunde bekannt, dass zur Geburt
des ersten Sohns die Familie Behling in der Stettiner Bellevuestraße wohnte. An dieser Straße befanden sich etliche Kasernen.
Im Jahre 1915 lebte die Familie schließlich in Berlin - Kreuzberg, Jüterboger Str. 7 II. Dies belegt der Eintrag in das
Berliner Adressbuch von 1915,
S. 150. Hiernach war Emil nicht mehr bei der Armee, sondern wurde mit der Berufsbezeichnung Postanwärter geführt. 1920 war er dann Postassistent
(Adressbuch von 1920,
S. 136), ein Jahr später Postsekretär (Adressbuch von 1921,
S. 147).
Erst im Adressbuch von 1925,
S. 156, wird wieder eine Beförderung zum Oberpostsekretär ersichtlich. Auch danach wurde er längere Zeit nicht befördert. Erst 1937
(Adressbuch von 1937,
S. 132) wird er mit dem Titel eines Oberpostispektors geführt, was meines Erachtens auf eine Doppelbeförderung im Jahre 1936 hindeutet.
Diesen Rank hatte er auch 1943, dem letzten verfilmten Adressbuch inne.
1942 (siehe oben) trat Emil in die NSDAP ein. Laut mündlicher Überlieferungen habe er dies nur getan, um vor seinem Ausscheiden
aus dem Postdienst (zu diesem Zeitpunkt war er schon 62 Jahre alt) nochmals eine Beförderung zu erhalten. Diese ist im Adressbuch des
folgenden Jahres auch vermerkt.
Soweit bekannt ist, wohnte Emil bis zu seinem Lebensende 1959 mit seiner Frau unter dieser Adresse. Seine Frau starb auch hier.
zurück zur Übersicht
|